Gedanken zu.......

 

....Hundediebstahl

in einem forum hatte ich schon davon gelesen, jetzt steht es auch in der Tagespresse und die Polizei warnt: es werden vermehrt Rassehunde gestohlen, um im osteuropäischen Raum zu Vermehrerzwecken unter übelsten Bedingungen missbraucht zu werden.

Natürlich schützt eine Tätowierung erst einmal nicht vor so einem Diebstahl, dennoch glaube ich, dass man sich eines tätowierten Hundes eher wieder entledigen wird, als eines gechippten. Wer Hunde so übel mißbraucht, wird ratz fatz, auch einen Chip, der gerade bei unseren Windhunden schnell wieder auffindbar ist, weil er in den meisten Fällen fühlbar ist, ja sogar eine unschöne Beule unter der Haut zeigt, schnell mittels eines kleinen, unauffälligen Schnittes entfernt haben. Da ist ein abgeschnittenen Ohr eine ganz andere Hausnummer, so ein Hund fällt sofort auf und die Vermutung, warum ihm dieses fehlt, dürfte auch nicht allzuschwer richtig zu deuten sein .

Warum also will der DWZRV nun keine Alternative zum Chip mehr zulassen und die Züchter zwingen, ausschließlich zu chippen?

Gibt es nicht viel wichtigere und vor allem sinnvollere Dinge, die es zum Wohle unserer Hunde zu regeln gilt. Ich denke da z.B. an eine Beschränkung der Anzahl der Würfe in einem Züchterhaushalt, an eine Zuchterlaubnis erst nach mehrjähriger Windhundhaltung, an höhere Zuchtanforderungen an die Elterntiere.......Aufzählung erweiterbar und diskutierbar!

......dem chippen

 

solange es irgendwie möglich/zulässig ist, werden die Welpen bei mir tätowiert. Das Whippetohr ist innen hell und die Täto-Nummern gut lesbar, auch noch nach Jahren. So ist bei dem Hund schon bei der ersten Überprüfung seiner Identität auch ohne ein technisches Hilfsmittel für jeden Laien erkennbar, dass er eine Vereinszugehörigkeit hat.

Das Setzen eines Chips, gerade beim Windhund mit seinem fehlenden Fettgewebe stellt immer auch ein Risiko dar. Angefangen von der nur optisch unschönen Beule, die ein Chip verursacht bis hin zu den sehr ernst zu nehmenden Wanderungen des Chips in Körperregionen, in denen er erhebliche Probleme bereiten kann. Zudem gibt es eine Vielzahl von gechippten Hunden, bei denen er nicht mehr auffindbar ist.

Wenn die Welpenkäufer den Hund dann in erwachsenem Alter chippen lassen, ist sowohl die Gefahr des Wanderns wie auch die einer sehr unangenehmen Erfahrung bei so einem kleinen Welpen minimiert. Das gekonnte Tätowieren mittels des Zuchtwartes ist viel weniger belastend, als der manchmal als recht unangenehm empfundene Chip.

Meine Meinung hierzu habe ich mir aufgrund von -seriösen- Schilderungen anderer Züchter (auch anderer Rassen) und meinen eigenen positiven Erfahrungen mit dem Tätowieren gebildet.

Einen interessanten Bericht,im Hinblick auf eine mögliche Krebsgefahr durch den Chip findet man auch bei www.kritische-tiermedizin.de  (Unter dem Artikel: Microchips bei Tieren erzeugen möglicherweise Krebs)

........der Entfernung der Daumenkralle

mit der Änderung des TSchG im Jahre 2001 und Verschärfung des Tierschutzgedankens ging auch die Behauptung um, es sei nicht mehr erlaubt, den bis dato bei ALLEN Whippets und einigen anderen Windhundrassen die gleich nach der Geburt entfernten Daumen nun nicht mehr abnehmen zu dürfen. Viele Züchter folgten dieser Behauptung  und nahmen sie ungeprüft als Fakt an. Andere waren zwar aufgrund der erheblichen Verletzungsgefahr der Daumen sehr unglücklich, gaben sich aber ebenfalls mit dieser Behauptung zufrieden.

Die Entfernung der Daumenkrallen bei den Windhunden, insbesondere den Whippets war niemals aus kosmetischen Gründen geschehen. Sie hat eine lange Tradition, gewachsen aus  den Erfahrungen langjähriger Windhundhaltung, in der es immer wieder zu schmerzhaften Abrissen der Daumenkrallen nicht nur im Windhundesport, sondern auch im ganz normalen Freilauf kam.

 

Mit diesem Wissen aus den Schilderungen anderer, viel erfahrenerer Windhundhalter als ich konnte ich den Behauptungen, dass durch die Gesetzesänderung das Absetzen der Daumenkrallen generell verboten sei, nicht recht glauben.

Das Dt. TSchG von 2001 ist umfassend kommentiert worden. Der Jurist Hans-Georg Kluge (derzeit Staatssekretär in einem brandenburgischen Ministerium) und der Veterinärmediziner Prof. Jörg Hartung (Tä Hochschule Hannover) haben sich dessen angenommen. Schon aus dieser Kommentierung konnte ich herauslesen, dass das Gesetz Ausnahmen vom Verbot der Unversehrtheit zulässt, wenn eine tierärztliche Indikation vorliegt.

 

Um mich endgültig der Rechtmäßigkeit der prophylaktischen Daumenentfernung zu versichern, nutzte ich  dann noch die Möglichkeit, durch ein paar nette Empfehlungen mit dem Staatssekretär Kluge und Prof. Hartung telefonieren zu können. Prof. Hartung bestätigte mir uneingeschränkt, dass das Absetzen der Daumenkrallen auch weiterhin (durch einen TA) nach dem Gesetz erlaubt sei. Auch er war sich nämlich der Tatsache bewußt, dass diese  -oftmals wie bei einem Kampfhahn- abstehende Daumenkralle so stark verletzungsanfällig ist, dass das prophylaktische Absetzen gleich nach der Geburt eine sinnvolle Maßnahme ist, um das Tier vor weitaus größerer Schädigung, wie sie bei einer Verletzung im Erwachsenenalter entsteht, zu schützen.

Dass diese Ausnahme vom Gebot der Unversehrtheit eine sinnvolle ist, konnte ich vielfach feststellen. Sowohl bei den offiziellen Coursings des DWZRV gibt es immer wieder abgerissene Daumenkrallen (kürzlich gleich bei 2 Hunden beim Trautskirchener Coursing), als auch bei zahlreichen Hunden, die einfach einen normalen Freilauf mit spielen und toben geniessen dürfen. Es gibt Whippethalter, die das Haus mit ihren Hunden nicht verlassen, ohne ihnen zuvor die  Daumenkralle zu fixieren (und damit gleichzeitig den ungehinderten Blutfluss  stören).

 

 

Aufklärungsarbeit sinnlos.....

 

darum gebe ich hier noch einmal ausführlich die derzeitige bestehende Rechtslage wieder:

 

Gem. § 6 TSchG ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen....verboten.

1. Das Verbot gilt nicht ,wenn der Eingriff im Einzelfall

    nach tierärztlicher Indikation geboten ist......

    und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen.

 

-soweit der Gesetzestext mit den relevanten Passagen-

 

Die Kommentierung Hartung/Kluge u.a. zum TSchG führt folgendes zu diesem grundsätzlichen Amputationsverbot aus:

1. Hintergrund und Zweck der Vorschrift:

Die bisher gültige Fassung sah eine Ausnahme für alle Eingriffe vor, die für die vorgesehene Nutzung unerläßlich waren und denen tä Bedenken nicht entgegenstanden. Durch die Änderung (des § 6) ist die Aufzählung der Ausnahmen von dem Verbot des Abs. 1, Satz 1 abschließend. Es ist insbesondere hervorzuheben, dass für diese Eingriffe keine pauschale Ausnahme von dem grundsätzlichen Verbot besteht, sondern dass ein Eingriff nur im Einzelfall in Abhängigkeit von der Darlegung der Unerläßlichkeit zulässig ist.  Adressat der Regelungen ist die Person, die diesen Eingriff durchführt.

 

2. Grundsätzliches Verbot von Amputationen:

das Amputationsverbot gilt umfassend. Die nachfolgenden Bestimmungen enthalten abschließend die Ausnahmen von diesem Verbot, deren Voraussetzungen nach den Grundsätzen der materiellen Beweislast zur Überzeugung der Behörde feststehen müssen.

 

3. Ausnahmen vom Verbot:

Die tierärztliche Indikation. Danach entfällt das Verbot, wenn der Eingriff im Einzelfall (also keinesfalls für eine unbestimmte Zahl von Fällen)  nach tierärztlicher Indikation geboten ist.

Unter tierärztlicher Indikation wird der Grund oder Umstand verstanden, der nach Abschätzen des möglichen Nutzens und Risikos für den Patienten sinnvoll erscheint, um Schaden, Leiden und Schmerzen von ihm abzuwenden. Dabei können Eingriffe auch prophylaktisch geboten sein, d.h. vorbeugend der Vermeidung von anderweitig absehbaren Beeinträchtigungen des Wohlbefindens des Tieres.

Auch das Absetzen der Wolfskralle (Hartung versteht darunter sowohl After- wie auch Daumenkralle) kann den Hund vor Verletzungen schützen. Die Krallen sind hakenförmig ausgebildet, dadurch besteht die ständige Gefahr, dass der Hund an Gegenständen hängenbleibt und die Kralle verletzt wird oder gar abreißt.

Auch für diese Maßnahme kann also eine tierärztliche Indikation gegeben sein, obwohl in Kauf genommen werden muss, dass die Unversehrtheit nicht aufrecht erhalten werden kann.

- soweit die wichtigsten Auszüge aus der Kommentierung -

 

Dieser Auffassung hat sich auch meine behandelnde TA-Praxis angeschlossen, als sie die Daumenkrallen bei meinen Welpen des A-Wurfes entfernt hat. Sie schätzte die frühzeitige, prophylaktische Entfernung dieses rudimentären Körperteils als weitaus geringer belastend ein, als eine Entfernung nach einer Verletzung im Erwachsenenalter, wenn der Knochen voll entwickelt ist und die Entfernung einer aufwändigen und weitaus schmerzhafteren  -da langwieriger- Operation bedarf. Die tä Indikation wird in dem Moment ausgesprochen, wo der TA sie vornimmt, und -wie bei uns- noch die begleitenden Worte "ich weiss um die Verletzungsanfälligkeit dieser Krallen bei den Whippets und kann, auch in Kenntnis, dass Sie sie sportlich führen, eine prophylaktische Entfernung verantworten"  anfügt.

(Diese Differenzierung machte aber selbst Hartung nicht in dem seinerzeit geführten Telefonat mit ihm, er sah schon im artgerechten Freilauf eine erhöhte Verletzungsgefahr, die das prophylaktische Absetzen rechtfertigt)

 

Dass der "Einzellfall" einen ganzen Wurf umfasst, ergibt sich zwangsläufig, weder weiß man am 1. Tag nach der Geburt, wie diese Hunde gehalten werden, wie ihre Krallen (oft entgegen jeglicher Beteuerungen der künftigen Welpenbesitzer) gepflegt werden, noch wer überhaupt von diesen Welpen zu erhöhter Verletzungsanfälligkeit neigt. Zwangsläufig fallen damit die Daumenkrallen des ganzen Wurfes dem TA zum Opfer. Bei folgenden Würfen hat der TA allerdings erneut seine Indikation für jeden einzelnen Wurf auszusprechen.

 

 

......dem "Massenverschleiß"

bin ich eigentlich die Einzige, deren Augen sich vor Entsetzen weiten und der der Atem stockt, wenn sie so manche Whippetschicksale verfolgt?

Da gibt es Halter, die regelrecht eine Spur des Todes mit mindestens 4 frühstverstorbenen Hunden und der regelmäßigen Entsorgung mindestens 5 weiterer hinter sich herziehen; andere, die regelmäßig anschaffen, entsorgen, neu anschaffen....

 

"Züchter", die erst mal züchten und dann überlegen, ob es überhaupt "ihre" Rasse ist, die sich  von der 1. Zuchthündin gleich wieder trennen, andere sogar den ganzen Wurf samt Mutter "entsorgen", die mindestens eine weitere Rasse züchten, das aber lieber unauffällig unter einem anderen Zwingernamen machen; Züchter, die wenig bis nichts beim Welpeninteressenten hinterfragen und so einige ihrer Hunde in Vermehrer- und Wildzuchten landen.

 

Die heile Whippetwelt ist entgültig zerstört.

Vor wenigen Jahren gab es praktisch keine "Whippets in Not". Die wenigen, die ihr Zuhause wg. familiärer Umstände verloren, waren schnell wieder vermittelt, meist ohne Beteiligung der Öffentlichkeit durch ihre eigenen oder befreundete Züchter.

 

Heute ist der Markt so voll und unübersichtlich, dass der Whippet aus Wildzucht, aus Zuchtauflösung oder als Notfall dem sorgfältig aufgezogenen und aus sinnvoller Verpaarung entstandenen Welpen längst den Rang abgelaufen hat und auch die Züchter, die sich bislang  der Einzelschiksale verpflichtet gefühlt und geholfen haben, längst kapituliert haben.

 

Und keinen interessiert es, es wird fleißig weiterproduziert, noch mehr Welpen, noch mehr Würfe, noch mehr  Züchter.....